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Wie digital ist Berlin?

© Senat / Hoffotografen

Berlin hat mit Christian Rickerts einen „Staatssekretär für Digitalisierung“. In einem Interview mit dem Staatssekretär für Energie und Digitales wollen wir mehr über Berlin als „Digitale Hauptstadt“ und die Pläne des Landes in Bezug auf die Digitalisierung erfahren.

Sie werden umgangssprachlich auch „Staatssekretär für Digitalisierung“ genannt, Herr Rickerts. Würden Sie sich auch so bezeichnen und worin liegen Ihre Tätigkeitsschwerpunkte als Staatssekretär für Energie und Digitales in den kommenden Jahren?

Ich bin fachlich für die Bereiche Wirtschaftspolitik und -ordnung sowie Energie, Digitalisierung und Innovation verantwortlich. Digitalisierung ist dabei das zentrale Querschnittsthema, das alle Lebensbereiche durchdringt und dabei natürlich sehr stark im Zentrum meiner Arbeit für die Berliner Wirtschaft steht. Ich arbeite aber nicht allein an dem Thema. Es sind viele weitere Ressorts des Senats mit den Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung beschäftigt.

Um den Berliner Mittelstand noch näher an digitale Themen heranzubringen, werden wir zum Beispiel eine Digitalagentur einrichten, um Unternehmen in jeder Phase der digitalen Transformation zu unterstützen, zu beraten, zu vernetzen und weiterzubilden.

Demnächst werden zudem zwei Standorte als „Hubs“ eröffnet, in denen Startups mit den Schwerpunkten Finanztechnologie und Internet der Dinge mit Forschungseinrichtungen und führenden Großunternehmen zur digitalen Transformation und Innovation eng zusammenarbeiten werden.

Ein zentrales energiepolitisches Vorhaben ist natürlich der Aufbau des Berliner Stadtwerkes als wesentlicher Impulsgeber für die Energiewende in der Stadt. Wir haben zudem mit den Maßnahmen des Berliner Energie- und Klimaschutzprogramms einen umfassenden Fahrplan für die Energiewende in Berlin im Senat beschlossen, den wir nach dem Beschluss des Abgeordnetenhauses angehen werden.

Mit Projekten wie WindNODE (WindNordostdeutschland) wollen wir die Hauptstadtregion in den kommenden vier Jahren als Modellregion der Energiewende etablieren und demonstrieren, wie eine intelligente Einspeisung von Erneuerbaren Energien in das Stromnetz, eine Vernetzung mit Wärme und Mobilität und die Einbindung effizienter Speicherlösungen erfolgreich und ökonomisch tragbar sein kann.

Ich bin überzeugt, dass für Berlin gerade im Zusammenspiel von Energie und Digitalisierung große Chancen für den Wirtschaftsstandort und für ein gutes Leben in der Großstadt stecken.

Forschungszentren, Start-ups, Gründerszene: Berlin hat international den Ruf als „digitale Hauptstadt“. Doch der W-Lan-Ausbau und die Umstellung auf eine digitale Verwaltung stocken. Wird Berlin seinem Ruf gerecht?

Berlin ist die digitale Hauptstadt in Deutschland! Der Grünungsboom ist ungebrochen und zahlreiche deutsche Unternehmen kommen nach Berlin. Unternehmen finden hier Ideen und Partner für ihre Innovations- und Digitalisierungsanstrengungen. Dreizehn DAX-Konzerne haben bereits Innovationlabs in der Stadt aufgebaut - Tendenz steigend. Immer mehr nationale und internationale Hightech-Unternehmen siedeln in Berlin Ihre Innovations-, Forschungs- und Digitalisierungszentren an. Wir unterstützen das tatkräftig.

Der Berliner Senat arbeitet zudem Schritt für Schritt daran, die Digitalisierung auch in der Verwaltung voranzubringen. So werden zum Beispiel die Online Angebote der Berliner Verwaltungen aktuell flächendeckend mit elektronischen Identitätsnachweisen und elektronischen Formularen ergänzt, so dass immer mehr Bürgerdienste sicher online abgewickelt werden können.

Auch der flächendeckende WLAN-Ausbau geht voran: Im gesamten Stadtgebiet haben wir inzwischen mehr als 650 kostenlose WLAN- Hotspots. Wir haben zudem den WLAN Ausbau der BVG an über 100 Berliner U-Bahnhöfen und die Ausstattung der Krankenhäuser mit kostenlosem WLAN gefördert.

Ich hätte mir auch gewünscht, dass die Geschwindigkeit in der Vergangenheit höher gewesen wäre - aber die entscheidenden Weichen sind mittlerweile gestellt. 

Junge, kreative start-ups entwickeln viele digitale Zukunftsideen. Sehen Sie Möglichkeiten diese new-economy-Unternehmen und die Unternehmen mit Landesbeteiligung der sogenannten „old economy“ zusammen zu bringen? Gibt es hier von Landesseite Bestrebungen?

Digitale Zukunftsideen werden mittlerweile sowohl in den etablierten als auch in den neuen Unternehmen gedacht und umgesetzt. Wir erleben daher an allen Ecken in der Stadt, dass sich die Unterscheidung zwischen „old“ und „new economy“ auflöst. Dies auch bei den Unternehmen mit Landesbeteiligung.

Ich finde es zum Beispiel großartig, dass die sechs großen Infrastrukturunternehmen - also BSR, BVG, BWB, GASAG, Vattenfall  und Veolia - auf dem EUREF Campus in Berlin Schöneberg das gemeinsame Co-Working Projekt InfraLab Berlin ins Leben gerufen haben.

Im InfraLab Berlin beschäftigen sich seit kurzem die sechs Unternehmen zusammen mit Startups der Stadt mit den wichtigen Themen für Berlin wie Klimaschutz, Mobilität, Digitalisierung und Kreislaufwirtschaft. Drei Startups sind schon im InfraLab tätig und in mittlerweile zehn Arbeitsgruppen wird an Projekten zu den Themen gearbeitet. Es sollen dort visionäre Ideen für ein nachhaltigeres Berlin entwickelt werden. Ich bin daher sehr gespannt, was an diesem Ort alles entsteht. 

Wie wird sich die Digitalisierung auf die Arbeitswelt und den Arbeitsmarkt Berlin auswirken?

Durch die Digitalisierung werden sich Arbeit und Berufsbilder deutlich verändern. Das ist ein Strukturwandel, in dem wir den Verlust von Arbeitsplätzen in traditioneller Produktion genauso erleben werden wie die Schaffung neuer Jobs in der digitalen Wirtschaft.

Ich bin dabei zuversichtlich, dass Berlin insgesamt von der Digitalisierung profitieren wird. Wir können im Moment beobachten, dass gerade in der Berliner digitalen Wirtschaft viele neue Arbeitsplätze entstehen. Nicht nur die Berliner Wirtschaft, auch der Berliner Arbeitsmarkt wächst im Moment überdurchschnittlich. Im Bundesvergleich liegen wir bei den Zuwachsraten vorne.

Die Berliner Industrie hat sich zudem bereits erheblich umstrukturiert und modernisiert. Die Produktpalette ist hierdurch vergleichsweise jung. Neben den traditionellen Branchen der Elektrotechnik, Elektrizitätserzeugung und Pharmaindustrie bestimmen forschungsintensive Betriebe mit geringerer Größe im Bereich Medizintechnik, Umwelttechnologie, Mess- und Regeltechnik sowie Sensorik die Industriestruktur. 

Gibt es im Land Berlin einen zentralen Ansprechpartner für Arbeitgeber, Unternehmen und Einrichtungen zum Thema Digitalisierung?

Die Digitalagentur soll nach der Gründung als Ansprechpartner im Themenbereich Digitalisierung für Arbeitgeber, Unternehmen und Einrichtungen dienen. Sie soll als Mittler und Lotse durch die zahlreichen Angebote, Leistungen und Ideen der Stadt führen. Und natürlich stehe ich gerne als Ansprechpartner für die Unternehmen zum Thema Digitalisierung zur Verfügung. 

Wo sehen Sie den Stellenwert des KAV Berlin in Bezug auf die Digitalisierung seiner Mitglieder?

Ich sehe den KAV als wichtigen Unterstützer, Impulsgeber und Antreiber für das Thema Digitalisierung in der Arbeitswelt. Es ist wichtig, dass der KAV als Arbeitgeberverband über die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung auch kleine und mittelständische Unternehmen mit ihren Services oder mit Veranstaltungen informiert und aufklärt.

Wir müssen den Unternehmen gemeinsam die Angst vor der Digitalisierung nehmen und die Möglichkeiten vermitteln, die beispielsweise mit der Automatisierung von Prozessen, dem Einsatz von Assistenzsystemen, dem Aufbau neuer Geschäftsbereiche sowie der kontinuierlichen Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter verbunden sind. Es ist dabei wichtig, das Nachdenken über digitale Themen in einer Zeit anzugehen, in der es vielen Unternehmen in der Stadt gut geht, und es nicht auf die lange Bank zu schieben. 

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